Musik Clubs müssen laut Infektionsschutzverordung SARS-CoV-2 des Berliner Senats weiterhin geschlossen bleiben.
According to the SARS-CoV-2 Infection Protection Ordinance of the Berlin Senate, music clubs must remain closed.

Ohne K(UNS)T wird’s still!

Skalitzer Straße 85-86, Berlin Kreuzberg
Indie
Konzert & Party
Fr 9. Dezember 2016
Konzert & Party
MONDO FUMATORE
THE YEAH, THE YEAH AND THE YEAH (featuring FIL + Dj Jens Friebe)

Genre: Indie

Programm:

21:00 FIL
Full Fil the Kil mit Chill und Dill

22:00
Mondo Fumatore (live! evil!)

23:30h
Dj Jens Friebe
Die Mondos werden mit Jens und euch die ganze Nacht feiern.
Djens hat auch schon eine tolle Playlist vorbereitet .

Die Nullerjahre – erinnern Sie sich? Lange her. Da muss es irgendwann passiert sein.

Und zwar vor oder nach einem Konzert, das die Band Mondo Fumatore im Kulturbahnhof der Stadt Kassel gab. Im Backstagebereich, wo sich die tapferen Mondos eigentlich nur schnell Wasser, Zigaretten und ein paar Radieschen holen wollten, saßen die Musiker einer Jazzcombo, die nach oder vor ihnen auftreten sollte (man kennt das: Es war eine dieser endlosen Museumsnächte). Als unsere Helden dazustießen, unterhielten sich die kunstliebenden Jazzer gerade über ihre Lieblingstonarten, ihre favorisierten Akkorde. Wurden sich nicht einig, ob mixolydisches Moll oder diatonisches Dur schöner seien. Und fragten die rechtschaffen perplexen Mondo Fumatore, wie sie das Ganze denn so sähen.

Gwendolin schaute Mondomarc an. Mondomarc schaute zurück zu Gwendolin. In dem langen Moment ergriff Soundmixer Martin Kropp, der hinter ihnen stand, das Wort. „Wir“, sagte Martin gleichsam zu den sitzenden Muckern wie zum nicht anwesenden Rest der Welt, „wir arbeiten eher mit Lautstärke!“

Lautstärke. Die Ingwerwurzel des Rock’n’Roll. Das Gift gegen jede Form von Uneigentlichkeit und Verlegenheit, der springende Punkt der Gegenwartsumarmung. Die ganz spezielle Art von Lärm, die nicht in Dezibel zu messen ist, sondern in Haltung. Genau die gleißende Qualität, die Mondo Fumatore von Anfang an deutlich abgesetzt hat von dem, was in der Regel mit dem unvermeidlichen, leicht diminuitiven Begriff Indiepop gemeint ist. Das alles war bei den Mondos nämlich niemals Teil des Plans: das Puschlige, das stumme Starren, das Warten auf die vom Rhabarberhimmel stürzende poetische Gerechtigkeit. Genau so wenig allerdings: das Alles-Niederrammende, übersprungshandelnd Narzisstische des Corporate Rock, das nichts, aber auch gar nichts mit dem Empowerment zu tun, das die richtige Attitude mit sich bringt. Man muss das nochmal deutlich sagen, denn sogar diverse Punks haben es nicht kapiert.

Sich irgendwo zu positionieren in der fiependen, schabenden, bollernden und raschelnden Welt des Musik-Underground: Das war für Mondo Fumatore, die 1996 am (zu diesem Zeitpunkt äußerst popneuralgischen) Punkt Berlin zu existieren begannen, oft gar nicht so leicht. Kompromisse gab es deshalb keine. Die Mondos waren, sind und bleiben im Glühkern ihres Seins eine Garagenband – in einer voll vernetzten, optimal technisierten und belüfteten Garage allerdings. Die direkt hinter einer kleinen Durchgangstür einen riesigen Bücher-, Comic-, Platten- und Süßigkeitenkiosk hat. Kein utopisches Versprechen. Ein Paradies für die Jetztzeit.

Und wer mitgerechnet hat, der hat es längst gemerkt: Ja, es ist 2016, und Mondo Fumatore feiern ihr 20-jähriges Bandjubiläum. Gwendolin (Bass, Gesang), Mondomarc (Gitarre, Gesang) und Endai Hüdl (Schlagzeug, nicht von Anfang an dabei, aber seit langer Zeit immer wieder und jetzt so richtig) schauen mit schnellem Schulterblick zurück auf vier Alben, zahllose Tourneen, unter anderem mit Dinosaur Jr. und Die Sterne, auf Shows mit Placebo und der Jon Spencer Blues Explosion. Auf euphorische Zeiten im zweiten Band-Heimatland Spanien, auf geniale Mitmusiker, die kamen und gingen, auf mindestens vier verschiedene Proberäume und natürlich auch auf Jahre, in denen der Rest des Lebens und die Realität des Musikbusiness so wellengroß auf sie einschwappten, dass es weniger telepathisch verschworene Gruppen wohl direkt in die Auflösung getrieben hätte. Wieviele andere Bands aus dem großen Berliner Popaufbruch der 90er-Jahre gibt es eigentlich noch? Ja, eben.

Mondo Fumatore sind noch da. Sie schauen nach vorn und gehen hiermit in ihre zweiten 20 Jahre. Und um den Anlass gebührend zu begehen, haben sie ein neues Album für uns. Es heißt: „The Yeah, the Yeah and the Yeah“.

Acht Jahre sind seit der letzten Platte „The Hand“ vergangen – im Prinzip völlig normal, wenn man noch andere Dinge zu erledigen hat außer der Musik. Zugleich aber eine so lange Zeit, dass für Mondo Fumatore hier eine Art Neustart-Effekt eintritt: So, wie die allerersten Platten vieler geliebter Bands genau deshalb so stark sind, weil sich in ihnen die gesammelten Erfahrungen und Ideen ganzer Existenzphasen kristallisieren, verteilen sich auch die Evolutionsgeschichten der elf neuen Mondo-Songs relativ gleichmäßig auf die letzten acht Jahre. Dass sich die Lebensumstände der Bandmitglieder direkt in die Musik einschreiben, die sie machen – bei Corporate-Superstars gibt es das selten. Hier schon. Und so ist „The Yeah, the Yeah and the Yeah“ gewissermaßen das zweite Debütalbum von Mondo Fumatore.

Wieviel soll man verraten? Es gibt verteufelte Riffs („White Devil“) und Soulboden-Twist („8-Bit Love“), schneeweißen Shoegaze-Beat („Appletree“) und Pebbles-R’n’B („Save the Witch“), großen Bäng, melancholischen Aufruhr, sogar: den Blues. Im Duett sind Marc und Gwendolin gelegentlich John & Yoko, Gainsbourg & Bardot, Britta Phillips & Dean Wareham und, vor allem, im traumhaften „Under My Silver Pine“: Bobbie Gillespie & Kate Moss, denn die haben ja auch mal zusammen gesungen. Ganz zum Schluss, in „The List“ (dessen Text komplett aus imaginären Songtiteln besteht), liest der große spanische Musikkritiker und Lou-Reed-Experte Ignacio Julià die schönsten Stellen aus dem Berliner U-Bahn-Plan vor. Danach kann erst mal lange, lange nichts kommen.

Aber vor allem, und das muss man an dieser Stelle noch ein letztes Mal betonen: Was Mondo Fumatore auf „The Yeah, the Yeah and the Yeah“ auch tun – es ist stets maximal ausgesteuert. Es ist nie optional, sondern immer uneigentlich, ein Statement. Es ist extrovertiert stolz auf seine popkulturelle Herkunft. Es behauptet sich mit allerhöchster Euphorie selbst.
Mit anderen Worten: Es ist lautstark – und dass das Wort „stark“ da drinsteckt, ist noch weniger Zufall als die blaue Lackierung von Gwendolins Fender-Gitarre. Mondomarc sagt übrigens seit Jahren, er würde zusammen mit Gwendolin und Endai gern mal eine Flamenco-Platte machen. Könnte passieren. Es wird das no-bullshit-mäßigste spanische Folklorealbum aller Zeiten sein.
(Joachim Hentschel)

Aftershowparty mit JENS FRIEBE, den MONDOS & FIL

Örtlicher Veranstalter: amSTARt